Ich wiege heute mehr und bin schneller denn je!
- Ronja Neumann
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Eine Frau spricht nicht über ihr Gewicht. Und ich mache es jetzt trotzdem.
Als ich 2020 mit dem Laufen begann, wog ich 55 Kilogramm. Zehn Kilometer am Stück zu laufen fühlte sich damals wie eine Mammutaufgabe an. Jeder Lauf war eine Herausforderung. Jede zusätzliche Minute auf den Beinen ein kleiner Sieg.
Heute, sechs Jahre und eine Schwangerschaft später, wiege ich 58 Kilogramm.
Drei Kilogramm mehr.
Und trotzdem laufe ich Marathon. Die zehn Kilometer, für die ich früher kämpfen musste, laufe ich heute unter 45 Minuten – oft sogar als Aufbauwettkampf auf dem Weg zu größeren Zielen.
Die Zahl auf der Waage ist gestiegen.
Meine Leistungsfähigkeit auch.
Wie kann das sein?
Die Waage misst nicht, was wirklich zählt
Viele Menschen setzen Körpergewicht mit Fitness gleich. Besonders im Laufsport hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass weniger Gewicht automatisch schneller macht.
Tatsächlich spielt das Körpergewicht eine Rolle. Wer weniger Masse bewegen muss, benötigt grundsätzlich weniger Energie.
Aber die Waage kennt nur eine Zahl.
Sie weiß nicht, wie viel davon Muskulatur ist.
Sie weiß nicht, wie stark dein Herz geworden ist.
Sie weiß nicht, wie effizient dein Körper Sauerstoff transportiert.
Sie weiß nicht, wie viele tausend Trainingskilometer in deinen Beinen stecken.
Die Waage misst Gewicht.
Sie misst keine Leistungsfähigkeit.
Ausdauer lässt sich trainieren
Als Anfängerin fehlte mir 2020 vor allem eines: Trainingsjahre.
Mein Herz-Kreislauf-System war nicht an längere Belastungen gewöhnt. Meine Muskulatur war nicht auf das Laufen vorbereitet. Meine Laufökonomie war weit entfernt von dem, was sie heute ist.
Mit jedem Trainingsjahr hat sich mein Körper angepasst.
Mein Herz pumpt effizienter. Meine Muskulatur arbeitet ökonomischer. Meine Sehnen und Bänder sind belastbarer geworden. Mein Körper kann Energie besser bereitstellen.
All diese Anpassungen wiegen deutlich schwerer als drei Kilogramm auf der Waage.

Mehr Muskeln können schneller machen
Gerade bei Frauen wird häufig über Gewichtsverlust gesprochen, viel seltener über Muskelaufbau.
Dabei können zusätzliche Muskeln ein echter Leistungsvorteil sein.
Stärkere Beine erzeugen mehr Kraft. Eine stabile Körpermitte verbessert die Laufhaltung. Kräftige Gesäßmuskeln sorgen für einen effizienteren Abdruck.
Wer ausschließlich auf die Waage schaut, übersieht häufig, dass ein Teil der Gewichtszunahme aus leistungsfähiger Muskulatur bestehen kann.
Drei Kilogramm mehr bedeuten nicht automatisch drei Kilogramm dicker.
Erfahrung ist ein unterschätzter Leistungsfaktor
Es gibt noch einen weiteren Faktor, den keine Waage erfassen kann: Erfahrung!
Heute weiß ich, wie schnell ich anlaufen darf. Ich kenne meinen Körper. Ich erkenne Überlastung frühzeitig. Ich weiß, wann ich regenerieren muss und wann ich härter trainieren kann.
Training ist nicht nur körperlich.
Training ist auch Wissen.
Und dieses Wissen sammelt sich über Jahre an.
Die wichtigste Zahl steht nicht auf der Waage
Natürlich gibt es Situationen, in denen eine Gewichtsreduktion die Laufleistung verbessern kann.
Aber viele Läuferinnen und Läufer verschwenden unnötig viel Energie damit, einer bestimmten Zahl auf der Waage hinterherzulaufen.
Die wichtigere Frage lautet:
Was kann dein Körper leisten?
Vor sechs Jahren wog ich weniger.
Heute laufe ich schneller, weiter und stärker.
Die Waage würde vielleicht behaupten, ich hätte mich verschlechtert.
Meine Wettkampfzeiten erzählen eine andere Geschichte.
Und genau deshalb sollte die Zahl auf der Waage niemals die einzige Kennzahl sein, an der wir unseren sportlichen Erfolg messen.

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